Die Ebru-Kunst 

 

 

Die vier Elemente – Erde, Wasser, Feuer und Luft – vermischen sich in der unter der Bezeichnung Ebru entwickelten Kunstform. Aus der Erde gewonnenen Pigmente werden durch Ochsengalle (Feuer)chemisch verbrannt. Dann werden sie mit einem speziellen, handgemachten Pinsel aus Rosenzweig und Pferdehaar, durch die Luft auf eine Wasseroberfläche mal gespritzt, mal getupft oder mit hoher Präzision aufgetragen. Je nach Art der Aufbringung und anschließender Verfeinerung mit einem dünnen Metallstab entstehen verschiedene Ornamente. Auf diese nun schwimmenden Farben, die sich nicht miteinander vermischen, wird Papier gelegt und ein Abzug gemacht.

Das Resultat ist hier immer ein Mischprodukt aus Wille und Willkür und lässt sich vor dem Abzug nicht endgültig festlegen.

 

Obwohl Ebru hauptsächlich in der östlichen Kultur angewendet wurde, ist nicht bekannt, wann und wo diese Kunst wirklich entstanden ist - sie gehört keiner bestimmten Nation oder Kultur an, sondern verbreitete sich im Laufe der Geschichte vermutlich von Japan nach China, Indien, dann ab etwa Mitte des 16. Jahrhunderts über Persien nach Anatolien und von dort aus ab dem 18. Jahrhundert nach Europa. Mit der Entwicklung der Druckmaschine (damals „Schnellpresse“) im 19. Jahrhundert, gab es einen erhöhten Bedarf an beispielsweise hochwertigem Überzugsmaterial für handgebundene Bücher und an Vorsatzpapier. So wurde Ebru, damals „Türkenpapier“, auch europaweit populär: fast jede Druckerei hatte ein Ebru-Atelier. Im osmanischen Reich wurde die Ebru-Kunst unter anderem auch als Farbtherapie genutzt.

Die beruhigende, therapierende Wirkung ist während des Marmorierens besonders spürbar. Auch auf gesellschaftlicher Ebene lernt man dabei implizit etwas dazu: Die Farben, die sich nicht miteinander vermischen, sondern sich gegenseitig Platz geben, zeigen symbolisch die Toleranz, den Respekt und die Kooperationsbereitschaft, die wir in einer multikulturellen Gesellschaft zusammen stets üben müssen. Außerdem macht es einen Heidenspaß!

 

Heute steht die Ebru-Kunst in der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

 

  Flyer

 

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© Mutlu Yilmazer