Mevlana Dschalaladdin-Rumi

 

Dschalal ad-din ar-Rumi, kurz Rumi oder Mewlana („unser Meister“) genannt, stellt die Ney an erster Stelle von seinem epischem Gedicht „Mathnawi“ als Symbol der schmerzlichen Trennung des Menschen von Gott. Wer sich mit der Ney eingehend beschäftigt, wer ihr Wesen zu erkunden versucht, befindet sich auf dem besten Weg, die alles durchdringende Harmonie und die allumfassende Liebe Gottes zu erkennen, die Rumi zu seinem Hauptthema machte.

 

Also steht die Ney nicht nur, wie am Anfang des „Mathnawi“, für das Verlangen des mit Sehnsucht brennenden Liebenden nach dem entfernten Geliebten, sondern stellt auch gleich das Mittel dar, das den Liebenden mit der Zeit dem Geliebten näherbringt.

 

Und nicht nur das: so wie jede Ney ist jeder Mensch ein Unikat, und so wie der Mensch die Ney zum Singen durch den Atem bringt, so werden wir Menschen durch das Einhauchen des Göttlichen zum Ausdruck eines schöpferischen Geistes. Das Spielen auf der Ney ist somit das Nach-Spielen unseres eigenen Ursprungs.

Die Ney spielt eine zentrale Rolle in den wichtigsten Ritualen des von Rumi gegründeten Mewlewi (Derwisch) Ordens, aber auch in vielen anderen Tariqat (Glaubensschulen). Aber eigentlich ist die erste Schule die der Schöpfung, die wir durch die Ney besser kennen lernen können.

 

 

 

"Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines 

Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines;

Hinab ins Meer, und sah in allen Wellenschäumen Eines.

Ich sah ins Herz, es war ein Meer, ein Raum der Welten, Voll tausend Träum’;

ich sah in allen Träumen Eines.

Du bist das Erste, Letzte, Äußre, Innre, Ganze;

Es strahlt dein Licht in allen Farbensäumen Eines.

Du schaust von Ostens Grenze bis zur Grenz im Westen,

Dir blüht das Laub an allen grünen Bäumen Eines.

Vier widerspenst’ge Tiere ziehn den Weltenwagen;

Du zügelst sie, sie sind an deinen Zäumen Eines.

Luft Feuer Erd und Wasser sind in Eins geschmolzen

In deiner Furcht, dass dir nicht wagt zu bäumen Eines.

Der Herzen alles Lebens zwischen Erd und Himmel,

Anbetung dir zu schlagen soll nicht säumen Eines! "

 

Ghasele nach Rumi, übersetzt von Friedrich Rückert 

 

 

 

 

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© Mutlu Yilmazer