Der Unterricht


Die Klöster der Mewlewis waren die Musikkonservatorien des Osmanischen Reiches. Hier wurde die tiefere Beziehung zwischen Geist und Musik hingebungsvoll erkundet und dem Novizen durch unterschiedliche Lehrmethoden geöffnet. Die Kunst, die wunderbare Vielfalt der Schöpfung, durch musikalische Komposition wider zu spiegeln, wurde gepflegt, verfeinert und gefeiert.

In der Mewlewihane wurde zuerst der Mensch und seine Persönlichkeit gebildet, um einen fruchtbaren Boden für die Lehre durch die Musik zu schaffen.  Zuerst musste das Bewusstsein gereinigt werden, um die musikalische Lehre wirken zu lassen. Durch unterschiedliche Praktiken wurde eine Öffnung und Bereinigung des Bewusstseins angestrebt - durch Ritual, Meditation, Atmung (Ney), Kalligraphie, usw.

Eine Sufi-Weisheit besagt: "Lerne von Allem etwas, und von Einem alles". Den tieferen Sinn eines einzelnen Phänomens zu verstehen hilft, einen Rahmen für die Begegnung mit der Welt zu schaffen. Was dann als eine Wahrheit über ein Phänomen aufgenommen wird, kann man durch die Auseinandersetzung mit anderen Phänomenen testen und revidieren.  So sollte dann das umfassende Verständnis des Einen durch die Begegnung mit der Welt geläutert werden, wobei am Ende sowohl Fehler der Erkenntnis erkannt, als auch ein Gespür für die faktische und spirituelle Wahrheit entwickelt werden. In diesem Prozess ist die Entdeckung der Grenzen der eigenen Wahrnehmung der Impuls für die nächste Stufe der Erkenntnis.

Künstlerische Praxis ist für eine solche Lernmethode besonders geeignet. Die musikalische Erziehung lehrt einem zwar, am Beispiel des Meisters, 'Fehler' in der eigenen Spielweise zu erkennen, das Ziel ist aber nicht die Spielweise des Meisters nachzuahmen, sondern den Weg des Virtuosos selber zu gehen.

 

Was kann man von der Ney lernen?

Ney zu lernen erfordert Selbstkorrektur, stärkt Toleranz und kann, wenn die spirituellen Aspekte des Instruments sich einem offenbaren, wahre Demut lehren. Diese Lektionen lassen sich auf die Herausforderungen des täglichen Lebens übertragen.

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© Mutlu Yilmazer